Kalibrieren heisst, ein Messgerät unter festgelegten Bedingungen mit einem genaueren Referenzgerät — dem Normal — zu vergleichen. Die Abweichung zwischen angezeigtem und wahrem Wert wird gemessen und im Kalibrierschein dokumentiert. Kalibrieren verändert das Gerät nicht: Es stellt nur fest, wie genau es misst.
Das Wichtigste in Kürze
- Kalibrieren = vergleichen und dokumentieren. Das Gerät wird gegen eine genauere Referenz geprüft — verstellt wird nichts.
- Justieren = einstellen, Eichen = staatliche Pflichtprüfung. Drei Begriffe, drei verschiedene Dinge.
- ISO 9001 verlangt es faktisch: Wer Qualität mit Messwerten belegt, braucht rückführbar kalibrierte Messmittel.
- Faustregel: alle 12 Monate kalibrieren, Intervall danach datenbasiert anpassen. Kosten: ab CHF 75 pro Gerät.
Kalibrieren einfach erklärt: das Waagen-Beispiel
Stellen Sie ein geprüftes 1-Kilogramm-Gewichtstück auf Ihre Küchenwaage. Zeigt sie 1'002 g an, wissen Sie zwei Dinge: Ihre Waage misst 2 Gramm zu viel — und Sie haben soeben kalibriert. Mehr ist Kalibrieren im Kern nicht: ein Vergleich zwischen dem, was ein Gerät anzeigt, und dem, was tatsächlich wahr ist.
In der Industrie passiert exakt dasselbe, nur strenger: Das «wahre» Gewicht liefert dort ein Referenznormal, das selbst über eine lückenlose Kette auf die nationalen Normale des Bundesinstituts METAS rückführbar ist und deutlich genauer misst als das Prüfgerät. Verglichen wird nicht an einem Punkt, sondern über den ganzen Messbereich, unter kontrollierten Bedingungen — und jedes Ergebnis landet schriftlich im Kalibrierschein, inklusive der Messunsicherheit.
Wichtig, weil es fast alle verwechseln: Beim Kalibrieren wird am Gerät nichts verstellt. Es ist eine Zustandsaufnahme — wie der Blutdruck-Check beim Arzt, nicht die Behandlung. Das Einstellen des Geräts heisst Justieren und ist ein eigener Arbeitsschritt.
Kalibrieren, Eichen, Justieren: Was ist der Unterschied?
Die drei Begriffe werden im Alltag munter durcheinandergeworfen — dabei bezeichnen sie drei verschiedene Dinge: Kalibrieren stellt den Ist-Zustand fest, Justieren stellt das Gerät ein, Eichen ist die staatlich vorgeschriebene Prüfung für Geräte im amtlichen Verkehr.
| Kalibrieren | Justieren | Eichen | |
|---|---|---|---|
| Was passiert? | Abweichung messen & dokumentieren | Gerät einstellen, um die Abweichung zu minimieren | Staatliche Prüfung auf Einhaltung der Eichfehlergrenzen |
| Wird am Gerät etwas verändert? | Nein | Ja | Nein (Prüfung + Siegel) |
| Wer macht es? | Kalibrierlabor oder -dienst | Kalibrierdienst, Hersteller oder Anwender | Nur METAS / kantonale Eichämter |
| Pflicht? | Keine gesetzliche Pflicht — aber von QM-Normen wie ISO 9001 faktisch gefordert | Nur bei Bedarf (zu grosse Abweichung) | Gesetzlich, für Geräte im amtlichen Verkehr (Ladenwaage, Zapfsäule …) |
| Ergebnis | Kalibrierschein | Eingestelltes Gerät — danach neu kalibrieren | Eichstempel / Eichmarke mit Frist |
Die Merkhilfe: Kalibrieren = Diagnose, Justieren = Therapie, Eichen = Gesetz. Wie Kalibrieren und Justieren in der Praxis zusammenspielen (Stichwort as found / as left), zeigt der Artikel Justierung vs. Kalibrierung.
Wie läuft eine Kalibrierung ab? Die 5 Schritte
Eine professionelle Kalibrierung folgt immer demselben Muster — ob beim Multimeter, beim Drucksensor oder bei der 3'000-kN-Druckprüfmaschine:
Eingangsprüfung
Ist das Gerät unbeschädigt und funktionsfähig? Typ und Seriennummer werden erfasst, das Gerät akklimatisiert — Temperaturunterschiede verfälschen sonst das Ergebnis.
As-found-Messung
Das Gerät wird gegen die Referenznormale gemessen, so wie es ankommt — an mehreren Punkten über den Messbereich. Diese «Ist-Aufnahme» ist Gold wert: Sie zeigt, wie das Gerät seit der letzten Kalibrierung gemessen hat.
Bewertung
Liegen die Abweichungen innerhalb der Toleranz? Falls ja, ist die Kalibrierung hier fertig. Falls nein, folgt Schritt 4.
Justierung (nur bei Bedarf)
Das Gerät wird eingestellt, um die Abweichung zu minimieren — und danach erneut gemessen (as left). Beide Wertereihen landen im Schein: was das Gerät vorher zeigte und was es jetzt zeigt.
Kalibrierschein & Kennzeichnung
Alle Ergebnisse, Referenznormale und die Messunsicherheit werden dokumentiert. Eine Kalibriermarke am Gerät zeigt Datum und Fälligkeit — Ihr Nachweis für jedes Audit.
Bei SP Calibration passiert das wahlweise im Labor oder vor Ort bei Ihnen — schweizweit innert 48 Stunden, von −196 °C bis +1600 °C und bis 3'000 kN Prüfkraft.
Ist Kalibrieren Pflicht? Und was kostet es?
Ein Kalibrier-Gesetz gibt es nicht — eine Kalibrier-Pflicht in der Praxis schon. Sobald Ihr Betrieb nach ISO 9001 zertifiziert ist (oder Kunden es vertraglich fordern), verlangt Abschnitt 7.1.5 der Norm, dass alle qualitätsrelevanten Messmittel rückführbar kalibriert und gekennzeichnet sind. In regulierten Branchen — Pharma, Medizintechnik, Luftfahrt — gilt das nochmals verschärft. Der Auditor fragt dabei nicht, ob Sie kalibrieren, sondern zeigt auf ein Gerät und will den Schein sehen.
Wie oft? Als Startwert hat sich alle 12 Monate bewährt. Danach lohnt der Blick in die as-found-Werte der bisherigen Scheine: Bleibt ein Gerät über Jahre stabil, darf das Intervall wachsen — driftet es, muss es schrumpfen. Wie Sie Intervalle sauber herleiten und dokumentieren, erklärt der Artikel Kalibrierintervall: Wie oft muss kalibriert werden?
Was kostet es? Bei uns beginnen Kalibrierungen ab CHF 75 pro Messgerät, mit rückführbarem Werkskalibrierschein; braucht ein Gerät ein akkreditiertes SCS-Zertifikat, organisieren wir das über akkreditierte Partnerlabore. Die ehrliche Rechnung dahinter: Ein einziges unbemerkt falsch messendes Gerät produziert schnell Ausschuss oder Prüfergebnisse, die keiner Reklamation standhalten — dagegen ist die jährliche Kalibrierung die günstigste Versicherung im ganzen QM-System.
Häufige Fragen zum Kalibrieren
Wissen Sie, welche Ihrer Geräte kalibriert gehören?
In der kostenlosen Messmittel-Analyse gehen wir Ihre Geräteliste gemeinsam durch: Was ist qualitätsrelevant und braucht einen Kalibrierschein, was nicht — und in welchem Intervall? Danach wissen Sie genau, wo Sie stehen. Sie entscheiden in Ruhe, was daraus wird.
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