Ein Vickers-Härteprüfer wird nach ISO 6507-2 kalibriert: Die indirekte Verifizierung mit zertifizierten Härtevergleichsplatten prüft das Gesamtsystem, die direkte Kalibrierung Prüfkraft, Diagonalen-Messeinrichtung und Eindringkörper. Empfohlen ist die Verifizierung mindestens alle 12 Monate — ergänzt durch die tägliche Kontrollmessung auf einer Referenzplatte.
Das Vickers-Verfahren in 60 Sekunden
Beim Vickers-Verfahren (ISO 6507) drückt eine Diamantpyramide mit 136°-Spitzenwinkel mit definierter Prüfkraft in die Werkstoffoberfläche. Gemessen werden die Diagonalen des quadratischen Eindrucks — daraus errechnet sich der Härtewert HV. Die Stärke des Verfahrens: Es ist universell einsetzbar, von der Mikrohärte (HV 0.01) an Dünnschichten und Schweissnähten bis zur Makrohärte (HV 100) an massiven Bauteilen — mit einem einzigen Eindringkörper für alle Härtebereiche.
Genau diese Stärke ist zugleich die messtechnische Schwachstelle: Weil die Eindrücke bei kleinen Prüfkräften winzig sind, hängt das Ergebnis stark an der optischen Diagonalen-Messeinrichtung — und die driftet unbemerkt. Ohne regelmässige Kalibrierung sind gerade Mikrohärte-Messungen schnell wertlos.
So läuft die Kalibrierung nach ISO 6507-2
Das Gesamtsystem wird mit zertifizierten Härtevergleichsplatten (ISO 6507-3) geprüft: Mehrere Eindrücke pro Platte, Vergleich der gemessenen Härte mit dem zertifizierten Plattenwert, Bewertung von Abweichung und Wiederholpräzision. Geprüft wird mit jeder Prüfkraft, die Sie im Alltag verwenden — eine HV-10-Verifizierung sagt nichts über Ihre HV-1-Messungen aus.
Die Einzelkomponenten werden separat geprüft: Prüfkraft (rückführbare Kraftmessung), Diagonalen-Messeinrichtung (Objektmikrometer) und Eindringkörper-Geometrie (Winkel, Spitzenzustand). Nötig bei Neuinstallation, nach Umbauten oder wenn die indirekte Verifizierung auffällige Werte liefert.
Beide Wege enden im Kalibrierschein mit As-found-/As-left-Werten — warum diese doppelte Dokumentation auditentscheidend ist, erklärt Justierung vs. Kalibrierung.
Intervall und Alltagspflichten
Täglich (vor Prüfbeginn)
Kontrollmessung auf einer Härtevergleichsplatte im Arbeitsbereich — 2 Minuten, die fehlerhafte Serienmessungen verhindern.
Mindestens alle 12 Monate
Indirekte Verifizierung nach ISO 6507-2 durch den Kalibrierdienst — mit allen verwendeten Prüfkräften.
Anlassbezogen
Direkte Kalibrierung bei Neuinstallation, nach Transport, Reparatur, Eindringkörper-Wechsel oder auffälligen Kontrollmessungen.
Ob 12 Monate für Ihre Nutzung richtig sind, lässt sich datenbasiert prüfen — die As-found-Historie zeigt die Drift: Kalibrierintervalle optimieren.
Typische Befunde bei Vickers-Kalibrierungen
Beschädigte Diamantspitze
Ausbrüche oder Abrundung an der Pyramidenspitze verfälschen besonders Mikrohärte-Eindrücke — von Auge unsichtbar, in der direkten Prüfung sofort erkennbar.
Driftende Optik
Die Diagonalen-Messeinrichtung wandert mit Beleuchtung und Justage — der häufigste Grund, warum zwei Prüfer am selben Eindruck verschiedene Werte ablesen.
Nur eine Prüfkraft verifiziert
Der Schein deckt HV 10 ab, gemessen wird täglich HV 1 — für die kleinste und grösste verwendete Prüfkraft braucht es eigene Verifizierungen.
Abgelaufene Vergleichsplatten
Härtevergleichsplatten sind Referenznormale mit Zertifikat und begrenztem Nutzungsbereich — zerkratzte oder übernutzte Platten machen die tägliche Kontrolle wertlos.
Die anderen Härteprüfverfahren
Häufige Fragen zur Vickers-Kalibrierung
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