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ISO 7500-1 erklärt

Die wichtigste Norm für die Kalibrierung von Prüfmaschinen — verständlich erklärt mit Praxisbeispielen.

ISO 7500-1 ist die zentrale Norm für die Kalibrierung von Zug- und Druckprüfmaschinen. Sie definiert, wie die Kraftmesseinrichtung einer Prüfmaschine kalibriert werden muss, welche Genauigkeitsklassen es gibt und welche Grenzwerte einzuhalten sind. Dieser Artikel erklärt die Norm praxisnah — für QM-Beauftragte, Laborleiter und Messtechniker.

Die aktuelle Ausgabe ist ISO 7500-1:2018 (Metallic materials — Calibration and verification of static uniaxial testing machines — Part 1: Tension/compression testing machines — Calibration and verification of the force-measuring system). Sie ersetzt die Vorgängerversion von 2004 und enthält wichtige Aktualisierungen bei den Messunsicherheitsanforderungen.

Was regelt ISO 7500-1?

ISO 7500-1 regelt die Kalibrierung und Verifizierung der Kraftmesseinrichtung von statischen einachsigen Prüfmaschinen. Das umfasst:

Die Kalibrierung der Kraftanzeige in Zug- und Druckrichtung
Die Einteilung in Genauigkeitsklassen (0.5, 1, 2, 3)
Die Berechnung der relativen Anzeigenabweichung (q)
Die Berechnung der relativen Wiederholbarkeit (b)
Die Berechnung der relativen Umkehrspanne (v)
Die Anforderungen an die verwendeten Referenznormale (Kraftmessdosen)
Die Mindestanzahl der Messpunkte und Wiederholungen

Die 4 Genauigkeitsklassen nach ISO 7500-1

ISO 7500-1 definiert vier Genauigkeitsklassen. Je niedriger die Zahl, desto strenger die Anforderungen. Die Klasse bestimmt die maximal zulässige Abweichung der Kraftanzeige:

KlasseMax. Anzeigenabweichung (q)Max. Wiederholbarkeit (b)Max. Umkehrspanne (v)Typische Anwendung
Klasse 0.5±0.5%0.5%0.75%Referenzlabore, akkreditierte Prüfstellen
Klasse 1±1.0%1.0%1.5%Industrielle Materialprüfung, Baustoff, Automotive
Klasse 2±2.0%2.0%3.0%Wareneingangsprüfung, einfache QS
Klasse 3±3.0%3.0%4.5%Vergleichsprüfungen, Ausbildung

Das Kalibrierverfahren nach ISO 7500-1

Die Norm schreibt ein präzises Kalibrierverfahren vor. Die Kraftmesseinrichtung wird mit einer kalibrierten Referenz-Kraftmessdose (Klasse 00 oder besser) verglichen. Der Ablauf:

  1. 1
    Vorbelastung:Die Maschine wird dreimal bis zur Höchstkraft vorbelastet, um mechanische Setzeffekte zu eliminieren.
  2. 2
    Messpunkte festlegen:Mindestens 5 gleichmässig verteilte Kraftstufen im Kalibrierbereich (z.B. 20%, 40%, 60%, 80%, 100% der Nennkraft).
  3. 3
    Dreifach-Messung:Jede Kraftstufe wird mindestens dreimal angefahren. Die Norm fordert 3 Messreihen pro Richtung (Zug und/oder Druck).
  4. 4
    Auswertung:Für jeden Messpunkt werden berechnet: relative Anzeigenabweichung (q), relative Wiederholbarkeit (b) und relative Umkehrspanne (v).
  5. 5
    Klassifizierung:Die Maschine wird der Klasse zugeordnet, deren Grenzwerte an allen Messpunkten eingehalten werden.

Häufige Fehler bei der Kalibrierung nach ISO 7500-1

Fehlende Vorbelastung

Ohne dreimalige Vorbelastung bis Höchstkraft können mechanische Setzeffekte die Messergebnisse verfälschen. Viele Kalibrierscheine sind deshalb ungültig.

Zu wenige Messpunkte

ISO 7500-1 fordert mindestens 5 Kraftstufen. Manche Anbieter messen nur 3 Punkte — das ist nicht normkonform.

Falscher Kalibrierbereich

Der Kalibrierbereich muss den tatsächlichen Nutzungsbereich abdecken. Eine Maschine mit 500 kN Nennkraft, die nur bis 100 kN kalibriert wird, ist darüber hinaus nicht kalibriert.

Vernachlässigte Umkehrspanne

Die Umkehrspanne (Hysterese) wird oft nicht gemessen, ist aber ein wichtiger Indikator für mechanischen Verschleiss.

Abgelaufene Referenznormale

Die verwendeten Kraftmessdosen müssen selbst aktuell kalibriert sein. Abgelaufene Normale machen die gesamte Kalibrierung ungültig.

Fehlende Messunsicherheit

Seit der Ausgabe 2018 fordert ISO 7500-1 die Angabe der Messunsicherheit im Kalibrierschein. Viele ältere Scheine enthalten diese nicht.

Häufige Fragen zu ISO 7500-1

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