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Baustoffe · Fachartikel

DIN EN 12390-4 Kalibrierung

Was Baustofflabore über die neue Norm, den Dehnzylindertest und die zwei Maschinenklassen wissen müssen.

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Dossier · DIN EN 12390-4 · Stand 2025-05

DIN EN 12390-4 Kalibrierung:
Was Baustofflabore jetzt wissen müssen

Die neue Fassung 2025-05 bringt zwei Maschinenklassen, verbindlichen Dehnzylindertest und eine konsequente Kopplung an EN ISO 7500-1. Ein Leitfaden für Prüfstellen, die Druckfestigkeit von Festbeton messen — und nicht beim nächsten Audit stolpern wollen.

Autor
Walter Schule, SP Calibration
Lesezeit
ca. 9 Minuten
Normstand
DIN EN 12390-4:2025-05
Region
Schweiz · DACH
Inhalt des Dossiers
  1. 01Was DIN EN 12390-4 regelt – und wen sie betrifft
  2. 02Von 2000 bis 2025: der Weg zur heutigen Norm
  3. 03Der Dehnzylindertest: das eigentliche Novum
  4. 04Zwei Maschinenklassen nach der Fassung 2025
  5. 05Ablauf einer normkonformen Kalibrierung
  6. 06Der Kalibrierschein: was wirklich draufstehen muss
  7. 07Spezifika für Schweizer Baustofflabore (SAS, METAS)
  8. 08FAQ – die zehn häufigsten Fragen aus der Praxis

§ 01Was DIN EN 12390-4 regelt – und wen sie betrifft

Die DIN EN 12390-4 ist die zentrale europäische Norm für die Leistungsanforderungen an Druckprüfmaschinen zur Ermittlung der Druckfestigkeit von Beton. Sie ist kein abstraktes Metrologie-Dokument, sondern die Grundlage dafür, dass ein Prüfergebnis auf einer Betonbaustelle belastbar, reproduzierbar und gerichtsfest ist.

Betroffen sind sämtliche Stellen, die Druckfestigkeitsprüfungen nach der Normenreihe DIN EN 12390 durchführen: Transportbetonwerke, Betonfertigteilhersteller, Baustofflabore an Hochschulen und Kantonslaboratorien, werksinterne Qualitätssicherungen im Bauhauptgewerbe, Ingenieurbüros mit eigener Prüfstelle sowie die Eigenüberwachung nach der SN EN 206.

Die Verknüpfung ist systematisch: Die eigentlichen Prüfverfahren stehen in DIN EN 12390-3 (Druckfestigkeit), DIN EN 12390-5 (Biegezugfestigkeit), DIN EN 12390-6 (Spaltzugfestigkeit) und DIN EN 12390-13 (Elastizitätsmodul). Jede dieser Normen verweist auf Teil 4, wenn sie festlegt, welche Maschine für die Durchführung geeignet sein muss. Ohne konforme Maschine: keine konforme Prüfung.

Kernaussage
Die DIN EN 12390-4 ist eine Maschinennorm, kein Prüfverfahren. Sie legt fest, womit geprüft werden darf — nicht, wie. Für das „Wie" sind Teil 3, 5, 6 und 13 zuständig. Beide Welten müssen im Baustofflabor zusammenpassen.

§ 02Von 2000 bis 2025: der Weg zur heutigen Norm

Wer verstehen will, warum die aktuelle Fassung aussieht wie sie aussieht, muss kurz in die Vergangenheit schauen. Die Norm existiert seit Dezember 2000 und wurde seitdem in drei grösseren Schritten überarbeitet — jeder Schritt hat die Anforderungen an Baustofflabore verschärft.

AusgabeWesentliche Änderung
2000-12Erstveröffentlichung. Dehnzylindertest war nicht für alle Maschinen verbindlich — Bestandsschutz für Maschinen vor Baujahr 2000.
2020-04Angleichung an EN ISO 7500-1. Ende des Bestandsschutzes: Dehnzylindertest wird für alle Maschinen verbindlich.
2025-05Aktuell gültig. Explizite Kopplung an EN ISO 7500-1, erstmals zwei formal definierte Maschinenklassen.
Eine Maschine, die nicht nach DIN EN 12390-4 kalibriert ist, darf zwar rein technisch noch Kräfte aufbringen. Aber rechtlich verwertbar ist damit nichts mehr.

§ 03Der Dehnzylindertest: das eigentliche Novum

Im Alltag wird der Test oft einfach Strain-Test genannt. Was harmlos klingt, ist in Wirklichkeit der anspruchsvollste Teil der Kalibrierung — und genau der Punkt, an dem viele ältere Maschinen scheitern. Der Dehnzylindertest prüft nicht die Kraftanzeige. Er prüft die mechanische Qualität der Maschine selbst — den Rahmen, die Druckplatten, das Verhalten unter Last.

Was konkret geprüft wird (Anhang A der Norm)

Axiale Krafteinleitung (A.2): Die Kraft muss exakt auf der Mittelachse der Druckplatten wirken. Jede Exzentrizität verfälscht die Druckfestigkeit der Probe.
Einspielbarkeit der oberen Druckplatte (A.4): Der Kugelsitz der oberen Platte muss sich unter Last so einstellen, dass leichte Parallelitätsfehler der Probenstirnflächen ausgeglichen werden — aber nur bis zu einer definierten Grenze.
Blockieren der oberen Druckplatte (A.7): Ab einem Grenzwert der Last muss die obere Platte blockieren, damit die Probe tatsächlich axial gedrückt und nicht seitlich abgelenkt wird.
Steifigkeit des Rahmens: Der gesamte Lastpfad von oberer zu unterer Druckplatte muss ausreichend steif sein. Ein zu elastischer Rahmen verformt sich unter Last und erzeugt systematische Fehler.
Achtung · häufige Fehlerquelle
Eine Kalibrierung allein nach DIN EN ISO 7500-1 belegt ausschliesslich die Genauigkeit der Kraftanzeige. Sie sagt nichts über die Eignung der Maschine zur Betonprüfung aus. Prüfergebnisse aus solchen Maschinen sind im Sinne der DIN EN 12390 nicht verwertbar. Wer seinem Kalibrierlabor nur „Kalibrierung der Prüfmaschine" beauftragt, ohne Teil 12390-4 explizit zu nennen, riskiert einen unbrauchbaren Kalibrierschein.

§ 04Zwei Maschinenklassen nach der Fassung 2025

Die spürbarste Neuerung der Ausgabe 2025-05 ist die formale Einführung von zwei Maschinenklassen. Die neue Systematik lässt differenzierter klassifizieren, je nach Einsatzzweck und technischem Stand der Maschine.

KriteriumKlasse 1Klasse 2
Max. Anzeigefehler± 1,0 %± 2,0 %
Max. Wiederholbarkeit1,0 %2,0 %
Typischer EinsatzAkkreditierte Prüflabore, Forschung, hochfester BetonWerksinterne QS, Routineprüfung, Bestandsmaschinen
DehnzylindertestPflichtPflicht
BestandsschutzNeinNur mit bestandenem Dehnzylindertest

In der Praxis wird ein akkreditiertes Kalibrierlabor in aller Regel auf Klasse 1 zielen, weil die Auftraggeber — typischerweise SAS-, DAkkS- oder Akkreditierung-Austria-akkreditierte Prüfstellen — das in ihren eigenen Managementsystemen verlangen. Klasse 2 ist eine pragmatische Option für Betriebe, deren Prüfungen der internen Qualitätssicherung dienen.

§ 05Ablauf einer normkonformen Kalibrierung

Eine vollständige Kalibrierung einer Druckprüfmaschine nach DIN EN 12390-4 folgt einem standardisierten Ablauf. Für eine 3'000-kN-Maschine an einem typischen Werksstandort sind etwa vier bis sechs Stunden Arbeitszeit realistisch.

Protokoll · Vor-Ort-Kalibrierung

Acht Schritte zur normkonformen Maschine

  1. 1
    Sichtprüfung: Zustand der Druckplatten, Kugelsitz, hydraulische Dichtheit, elektrische Kabelzuführung. Auffälligkeiten werden fotodokumentiert.
  2. 2
    Funktionsprüfung: Bedienpanel, Notaus, Wegmessung, Belastungs- und Entlastungsverhalten. Softwarestand wird erfasst.
  3. 3
    Temperatur- und Klimaerfassung: Umgebungsbedingungen müssen zwischen 10 °C und 35 °C liegen und werden dokumentiert.
  4. 4
    Anbringung des Referenz-Kraftaufnehmers: Rückgeführt auf METAS (CH) oder PTB (DE), Genauigkeitsklasse mindestens gleichwertig oder höher als die zu prüfende Maschine.
  5. 5
    Kraftkalibrierung über den Messbereich: Nach Tabelle 2 aus EN ISO 7500-1. Mindestens fünf Laststufen, drei Messreihen, Auswertung von Anzeigefehler, Umkehrspanne, Wiederholbarkeit und Auflösung.
  6. 6
    Dehnzylindertest nach Anhang A: Prüfung der axialen Krafteinleitung, Einspielbarkeit und Blockieren der oberen Druckplatte mit instrumentiertem Prüfkörper.
  7. 7
    Auswertung und Klassifizierung: Berechnung der Messunsicherheit nach GUM, Zuordnung zur Klasse 1 oder 2, Entscheid über das Bestehen des Dehnzylindertests.
  8. 8
    Kalibrierschein und Kalibriermarke: Erstellung der Dokumentation, Anbringung der datierten Kalibriermarke an der Maschine.

§ 06Der Kalibrierschein: was wirklich draufstehen muss

Der Kalibrierschein ist das Dokument, das bei jedem Audit auf dem Tisch liegt. Wer einen Schein entgegennimmt, auf dem die falschen Normen stehen, kann zwei Jahre später vor ernsten Problemen stehen. Diese Angaben sind Pflicht:

Eindeutige Identifikation der Maschine: Hersteller, Typ, Seriennummer, Baujahr, Standort.
Bezug auf beide angewandten Normen: DIN EN 12390-4:2025-05 und EN ISO 7500-1. Fehlt die 12390-4, ist der Schein für die Betonprüfung wertlos.
Rückführungskette der verwendeten Referenznormale auf nationale Normale (METAS für die Schweiz, PTB für Deutschland).
Messergebnisse aller Laststufen mit Anzeigefehler, Wiederholbarkeit, Umkehrspanne und Nullpunktabweichung.
Erweiterte Messunsicherheit nach GUM mit Erweiterungsfaktor k = 2.
Erreichte Klasse des Arbeitsbereichs (Klasse 1 oder Klasse 2).
Explizite Aussage zum Dehnzylindertest: bestanden oder nicht bestanden.
Kalibrierdatum, Datum der Folgekalibrierung (empfohlen), Unterschrift und Qualifikation des Kalibrierpersonals.
Praxistipp für Audit-Vorbereitung
Bei jedem Audit nach ISO/IEC 17025 wird der Kalibrierschein auf genau diese Punkte geprüft. Ein häufiger Beanstandungspunkt: fehlende oder unklare Aussage zum Dehnzylindertest. Fordern Sie gegenüber dem Kalibrierlabor eine klare, textliche Aussage — nicht nur ein Häkchen in einer Tabelle.

§ 07Spezifika für Schweizer Baustofflabore (SAS, METAS)

Für Baustofflabore in der Schweiz ergeben sich einige Besonderheiten, die in DACH-weiten Übersichten oft untergehen. Erstens: Die Schweizerische Akkreditierungsstelle SAS ist für die Akkreditierung von Kalibrierlaboratorien nach ISO/IEC 17025 zuständig. Wer eine akkreditierte Prüfstelle betreibt, muss Kalibrierungen von einem akkreditierten Kalibrierlabor beziehen, dessen Akkreditierungsbereich DIN EN 12390-4 und EN ISO 7500-1 abdeckt.

Zweitens: Die Rückführung der Messgrössen erfolgt in der Schweiz über das Eidgenössische Institut für Metrologie METAS in Bern-Wabern. METAS hält die Schweizer Primärnormale für Kraft, Länge und weitere Grössen. Jedes seriöse Schweizer Kalibrierlabor muss seine Referenzaufnehmer regelmässig — in der Regel jährlich — durch METAS oder ein auf METAS rückgeführtes Labor kalibrieren lassen.

Drittens: Durch die multilaterale Anerkennung (ILAC MRA, EA MLA) sind Kalibrierungen von akkreditierten Laboratorien aus EU-Ländern (DAkkS in Deutschland, Akkreditierung Austria) in der Schweiz grundsätzlich anerkannt. Für den Alltagsbetrieb ist ein Schweizer Partner mit Schweizer Rückführung trotzdem häufig die pragmatischere Wahl — kurze Anfahrtswege, Schweizer Vertragsrecht, METAS-Rückführung direkt belegbar.

Viertens: Die Schweizer Baustoffnorm SN EN 206 (Beton – Festlegung, Eigenschaften, Herstellung und Konformität) verweist direkt auf die Normenreihe DIN EN 12390. Damit ist der Kreis geschlossen: Wer in der Schweiz Transportbeton oder Betonfertigteile konform herstellen will, braucht Prüfergebnisse nach DIN EN 12390-3 — und die braucht eine Maschine nach DIN EN 12390-4.

WS
Der Autor
Walter Schule
Messtechniker & Gründer, SP Calibration Suisse GmbH

Walter Schule kalibriert seit über 20 Jahren Prüfmaschinen in der Schweiz, Deutschland und Österreich. Als Gründer von SP Calibration Suisse GmbH in Lütisburg SG betreibt er einen herstellerunabhängigen Kalibrierdienst mit Fokus auf Baustoffprüfung, UTM-Kalibrierung und Retrofit.

§ 08 · Häufige Fragen aus der Praxis

Zehn Fragen, die wir jede Woche hören.

Aus Telefonaten, E-Mails und Gesprächen beim Kunden vor Ort — die Fragen, die Baustofflabore in der Schweiz und im DACH-Raum tatsächlich stellen.

Quellen & weiterführende Normen
  1. DIN EN 12390-4:2025-05 – Prüfung von Festbeton – Teil 4: Bestimmung der Druckfestigkeit – Anforderungen an Prüfmaschinen.
  2. DIN EN ISO 7500-1:2018-06 – Metallische Werkstoffe – Kalibrierung und Überprüfung von statischen einachsigen Prüfmaschinen.
  3. DIN EN 12390-3:2019-10 – Prüfung von Festbeton – Teil 3: Druckfestigkeit von Probekörpern.
  4. SN EN 206:2021 – Beton – Festlegung, Eigenschaften, Herstellung und Konformität (Schweizer Fassung).
  5. ISO/IEC 17025:2017 – Allgemeine Anforderungen an die Kompetenz von Prüf- und Kalibrierlaboratorien.
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